„ von dort bis hier II “

heimat. migration. identität.


Zum Gallery Weekend am 30. April 2015 startet die GALERIE LISTROS den Ausstellungszyklus „von dort bis hier II“.

In dieser, vor drei Jahren begonnenen Ausstellungsreihe, setzen wir, auch in diesem Zyklus, die Auseinandersetzung mit den Themen Heimat, Migration und der besonderen Situation von Asylsuchenden fort.
Dabei bilden Aspekte von Integrität, Identität und Heimat, Schwerpunkte der künstlerischen Auseinandersetzung. Analysen der Spannungsfelder, der aktuellen prekären Situation der „von dort bis hier“ gekommenen und kommenden Menschen, sind zentrale Aspekte der je- weiligen Ausstellung.

Bis zum Herbst 2015 präsentieren wir in zunächst drei Einzelausstellungen KünstlerInnen, die sich durch ihre Arbeitsweise in eine kritische, tiefgreifende Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des „dort sein“, „unterwegs sein“ und „hier sein“ begeben haben.

In ihren Arbeiten bzw. Projekten erkunden sie, mit ihren jeweils spezifischen Herangehens- weisen, Fragestellungen und mögliche Lösungsansätze im Kontext Migration.

Der Ausstellungszyklus wird ab Herbst 2015 mit den Künstlern Peter Herrmann, Berlin und dem aus Togo stammendem Künstler EL LOKO, fortgesetzt. 

Ausstellende Künstler:
barbara caveng, Lou Favorite, Andrea Künzig 

LISTROS Gründer & Künstlerischer Direktor: Dawit Shanko
Künstlerische Co-Direktorin & Kuratorin: Susanne Wehr 


Fotografien von Andrea Künzig aus den Jahren 1998-2014

„day by day – in Kambaland“

30.04. - 11.06.2015 

Zum Gallery Weekend am 30. April 2015 startet die Galerie LISTROS den Ausstellungszyklus „von dort bis hier II - heimat.migration identität.“ mit der Fotografin Andrea Künzig.


1998 fährt Andrea Künzig erstmals nach Kenia. Sie dokumentiert im Auftrag der Zeitschrift GEO für das Projekt „Menschenkinder“ den Alltag und die Lebensumstände des kenianischen Jungen Francis Mutia, der als neuntes Kind seiner Eltern Susanna und David zur Welt kam. Aus dem Säugling, der unter dramatischen Umständen das Licht der Welt erblickte, ist inzwischen ein selbstbewusster Schüler an der Schwelle zum Erwachsenensein geworden.

Beim ersten Besuch lebte die Fotografin über ein halbes Jahr mit den Menschen in Kambaland zusammen und dokumentierte ihren Alltag. Seitdem verbringt sie regelmäßig mehrere Wochen in dem kleinen ostafrikanischen Dorf Musalala, eine ländliche Siedlung ohne fließendes Wasser und Strom. Fünfzehn Jahre dauert das Projekt „Menschenkinder“ inzwischen an. Mehrere Fotografen sind an dem ungewöhnlichen Langzeitprojekt beteiligt und begleiten die Entwicklung eines Kindes in Deutschland, Vietnam und Kenia mit der Kamera.


Für Andrea Künzig ist daraus mittlerweile ein Herzensprojekt geworden. In der Ausstellung „day by day“ - in Kambaland“ führt sie uns erstmals umfassend in den Alltag dieser dörflichen Gemeinschaft ein und beschreibt einfühlsam die Lebensumstände in Kambaland anhand ausgewählter Aufnahmen.


Gezeigt werden Fotografien der kenianischen Landschaft: Luftaufnahmen zeigen die Kargheit des weitflächigen Gebietes auch infolge fortschreitender illegaler Abholzung. Sehr viele Fotografien beschäftigen sich mit dem Leben und dem Alltag der Familien, insbesondere der Frauen und Kinder. Es wird deutlich, wie wichtig die Frauen für die Gemeinschaft sind, sie verrichten alle notwendigen Arbeiten und sind diejenigen, die das Dorf in Gang halten. Selbst die jüngsten Kinder helfen mit und erledigen notwendige Aufgaben wie Feuerholz sammeln oder Wasser holen. Das Beispiel von Francis zeigt deutlich, was es bedeutet, wenn ein Kind den Kreislauf von Armut und mangelnder Bildung durch bricht. Die Schulausbildung eröffnet Chancen für ein anderes Leben.


Nach einem Abschluss in internationaler Politikwissenschaft begann Andrea Künzig 1994 als Dokumentarfotografin zu arbeiten. Wechselnde Orte als Basis ihrer Tätigkeit waren in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Städte Jerusalem, Nairobi, Berlin und Istanbul.


Andrea Künzigs Fotografien aus und über Afrika wurden mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. Schwerpunkte ihrer Fotoreportagen in ostafrikanischen Ländern sind vor allem Frauen– und Kinderthemen. Unter anderem erhielt sie 2013 den „Medienpreis der Kindernothilfe“ für „Die tapferen Kinder aus Kampala“, eine Dokumentation über Kinderhaushalte in Uganda.. 2010 wurde sie mit dem „Europäischen Journalisten Preis für Excellence“ der „World Population Foundation“ ausgezeichnet für eine „Fistula – Reportage“ aus Äthiopien.


Neben eigenen Projekten werden Künzigs Arbeiten regelmäßig in Magazinen und Zeitungen veröffentlich, u.a. National Geographic Traveler, GEO, Der Spiegel, DIE ZEIT oder Deutsche Welle. Andrea Künzig ist Mitglied der Fotoagentur laif.
Ihre Fotografien werden regelmäßig international ausgestellt. Als monografische Fotobände sind bisher im Kehrer Verlag erschienen: „Visions: Palestine“ (2004) und „Istanbulum“ (2010).

 

Vernissage

Donnerstag, 30.04.2015, 20 Uhr

Zur Eröffnung spricht: Ruth Eichhorn (Geschäftsführende Redakteurin der Bildredaktion GEO)

Anschließend TANZ IN DEN MAI mit DJ ZisdaS - GLOBAL GROOVE

© Andrea Künzig    Kinder in ihrem Zuhause in Musalala, Kenia

© Andrea Künzig    Junis, 11 Jahre, in Musalala, Kenia

 

 


Gedenkfeier für die ermordeten äthiopischen Christen

"Die Anbeter des Kreuzes, die zur feindlichen äthiopischen Kirche gehören". 28 äthiopische Christen hingerichtet – Islamischer Staat veröffentlicht Bekennervideo

Für die Opfer dieses grausamen Mordes wird der Berliner Künstler Robert Weber in der GALERIE LISTROS einen Raum stiller Andacht einrichten. Dieser Ort soll symbolisch stehen für das andauernde Martyrium von Christen in Teilen Afrikas, des Nahen Ostens und Asiens.


Wir möchten einladen, gemeinsam zu gedenken und unsere Solidarität zu bekunden.

AM SAMSTAG DEN 02. MAI 2015 AB 18 UHR 

Das Bekennervideo zeigt zwei Hinrichtungen: zwölf Christen wird die Kehle durchgeschnitten, sechzehn Christen werden mit der Pistole hingerichtet. Die vorhergegangenen Morddrohungen sind ebenfalls aufgezeichnet: Islam oder Tod. Die Christen zogen den Tod vor, sie stammten nach IS-Angaben alle aus Äthiopien. Diese schockierende Gewalttat erfüllt uns mit Schmerz und Trauer.  

Die traurige Nachricht erreichte uns in diesen Tagen und droht hierzulande in der Flut der Meldungen über Tragödien von Krieg, Gewalt, Vertreibung und Flüchtlingskatastrophen unterzugehen: Gruppen, die dem Islamischen Staat (IS) nahe stehen, haben mit makaberer und provokanter Zeitplanung am vergangenen Sonntag ein Video veröffentlicht. Es ist angefüllt mit Drohungen gegen Christen und zeigt die Ermordung von insgesamt 28 Männern. Die Opfer werden als Angehörige der „feindlichen äthiopischen Kirche“ vorgestellt.

Das Miteinander in der globalisierten Welt gestaltet sich immer komplexer, Tendez rasch steigend. In diesen bewegten Zeiten befinden sich Millionen von Menschen weltweit im Aufbruch. Die einen verlassen ihre Heimat, andere flüchten der gesellschaftlichen Umstände wegen und wieder andere wissen jedoch nicht, was diese Veränderungen mit sich bringen werden. 

Diese Turbulenz unserer Zeit erfordert insgesamt viel Mut und Ausdauer von uns allen. Daher greifen viele Menschen auf bereits bestehende Strategien und Lebensmodelle zurück oder suchen nach komplett neuen Möglichkeiten, um die Herausforderungen zu bestehen. Diejenigen dagegen, die bereits durch die eigene Gesellschaft traumatisiert sind, leiden selbst darunter, reagieren daher wütend auf ihre Umwelt und schlagen im verzweifelten Kampf um Geltung und Überleben um sich und fügen anderen Menschen viel Schmerz zu. Dies geschieht meist aufgrund der inneren Machtlosigkeit in der eigenen Gesellschaft. Deshalb fallen solche Taten oft sehr brutal aus und versetzen den Rest in Ohnmacht.

In dieser Bewusstlosigkeit stellt sich die Frage, was hat uns hierher gebracht und wohin führt uns dies? Was hat die Täter zu dieser brutalen Haltung geführt, und was können wir überhaupt tun?

Politische Diskussionen über Herrschaft, Machtverteilung und allgemein über Gesellschaftsformen sind unerlässlich. Aber wichtiger wird immer mehr, dass wir uns besinnen und innehalten, denn alle Fragen führen letztendlich direkt hin zu uns Einzelnen als kleinster Einheit der Gesellschaft. All das kann ja nicht ohne Auswirkung auf uns Einzelne bleiben.


Der Berliner Künstler Robert Weber nimmt dieses jüngste Ereignis in Libyen zum Anlass, in der GALERIE LISTROS einen Andachtsraum einzurichten. Diesen wollen wir am 2. Mai zusammen mit Ihnen/Euch betreten, uns besinnen und anschließend an einer Tafel uns gemeinsam mit unserer Ohnmacht auseinandersetzen.

Was machen diese und ähnliche Ereignisse heute mit uns - was erkennen wir durch diese Taten? Was bleibt uns weiterhin verborgen?  Wo sind wir eigentlich angekommen? Wohin bewegen wir uns als Gesellschaft?

Dabei möchten wir der Toten gedenken und unsere tiefe Bestürzung gemeinsam zum Ausdruck bringen. Wir sind in Gedanken bei den Familien und Freunden der Opfer des bestialischen Verbrechens und allen Betroffenen in dieser schweren Zeit.   

 

 


Gallery Weekend

Freitag 01.05.2015 von 18 – 21 Uhr
Samstag & Sonntag 02. & 03.05.2015 von 11 – 19 Uhr 

Andrea Künzig ist während des Gallery Weekend anwesend und steht für Gespräche bzw. Rundgänge durch die Ausstellung zur Verfügung

© Andrea Künzig    Francis Mutia, 10 Jahre, mit seinem Hund Simba auf Antilopenjagd in Kenia


Hendrik Neubauer im Gespräch mit Andrea Künzig

Donnerstag 21.05.2015, 20 Uhr 

Hendrik Neubauer ist Historiker und Publizist, er arbeitet als freier Autor sowie Text- und Bildredakteur für Zeitschriften und Verlage. Seit 1997 ist er ebenfalls als Herausgeber publizistisch tätig und ist seit 2014 als Fotografie-Experte in der Robert- Bosch Stiftung benannt. 


„boxenstopp“

Lange Nacht der Kunstbetrachtung

Donnerstags von 19 bis 2 Uhr 


Finissage

Donnerstag 11.06.2015, 20 Uhr 

© Andrea Künzig    Jungen beim Fussball spielen in Kambaland in Kenia

 

 

 


Lou Favorite: Malerei, Zeichnungen, Objekte

 

 

AfricanAnxiety_(my)/
this wind you hear is the birth of memory... 

18.06. - 23.07.2015 

 „...die Imaginationen des anderen, sagen nichts von den Anderen, über sie, noch von ihnen. Was bleibt ist die Formwerdung der eigenen Fremdheit und ihrer Ängste. Das gilt es in einer bisherigen, unbekannten künstlerischen Herangehensweise zu bewerkstelligen...“ Lou Favorite

In seinen Werken verwendet der Künstler Abbildungen medialer Stereotypen von Flucht und Vertreibung. Diese auf ihr Grundgerüst reduzierten, überarbeiteten und in seine Werke inte grierten Bilder, sind tragende Elemente der Arbeit von Lou Favorite. Die verwendeten Fotos und Filmstills beschreiben den Weg der Flüchtenden, der mediale Ursprung der Bilder, ist in seinen Arbeiten kaum mehr erkenntlich – wohl aber spürbar. 

© Lou Favorite, 2015, aus der serie: " this wind you hear is the birth of memory..." 2015, mehrteilig,div. Formate, Schabtechnik auf Vulkanisierpapier



barbara caveng, Partizipatorische Kunstprojekte

„KUNSTASYL“ 

 03.09. - 08.10.2015 

„Wohnen in der Heimatlosigkeit“- Partizipatorische Kunstprojekte bilden einen Schwerpunkt innerhalb der künstlerischen Arbeit von barbara caveng. Seit 2003 setzt sie sich in ihren Arbeiten mit Fragen der Identität, der Migration und dem Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen und Bevölkerungsgruppen auseinander. In ihrem aktuellen Projekt KUNSTASYL untersucht sie mit den BewohnerInnen eines Heimes für Geflüchtete & Asylsuchende in Spandau die Frage, wie das Wohnen im Provisorium von Geflüchteten/ Asylsuchenden selbst mitgestaltet werden kann. Die Ausstellung gewährt Einblicke in Projekte der letzten Jahre, die barbara caveng in Berlin und während ihres Aufenthaltes in Syrien realisierte und gewährt Einblicke in ihre Reise nach Lampedusa. 

©barbara caveng „AISH“ 2012, Installationsansicht, Forum Schlosspark Amalienhöhe